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35 Jahre MieterJournal: Stimme der Mietenden in Hamburg
Drei Jahrzehnte Mietrecht, Stadtpolitik und gelebte Mieterperspektiven
„In der Hand halten Sie das erste Exemplar des Mieter-Journals“ – mit diesen Worten wandte sich der damalige Chefredakteur Eckard Pahlke im August 1991 an die Leserinnen und Leser. Sein Anspruch war klar: eine eigene Hamburger Mieterzeitschrift schaffen, die lokale Probleme sichtbar macht, Mieterinitiativen eine Stimme gibt, Rechtsprechung einordnet und den Austausch mit den Mitgliedern sucht.
35 Jahre später gilt genau das mehr denn je. Die Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt sind komplexer geworden, der Druck auf Mieterinnen und Mieter ist gestiegen – und damit auch die Bedeutung einer starken, unabhängigen Stimme. Das MieterJournal versteht sich bis heute als genau diese Plattform: nah an den Menschen, nah an ihren Problemen und offen für ihre Perspektiven.
Die Anfänge waren bescheiden, aber engagiert: 16 Seiten umfasste die erste Ausgabe, gestaltet in den Farben Schwarz, Weiß und Blau. Die Texte schrieb der damalige Chefredakteur Eckard Pahlke gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus der Rechtsabteilung, ergänzend wurden Texte aus der MieterZeitung des Deutschen Mieterbundes veröffentlicht. Inhaltlich ging es um das, was Mieterinnen und Mieter bewegt: Rechtsfragen, konkrete Fälle aus dem Alltag, Geschichten von Betroffenen, Stimmen aus Mieterinitiativen sowie Informationen aus der Verwaltung des Mietervereins.
Über die Jahre entwickelte sich das MieterJournal weiter. Ab 1994 wurde die redaktionelle Arbeit professionalisiert, und es kamen freie Journalistinnen und Journalisten hinzu. Auch der Umfang wuchs: Heute umfasst das Magazin 36 Seiten – mehr als doppelt so viel wie in den Anfangsjahren.
Ein Blick in die frühen Ausgaben zeigt, wie breit das Themenspektrum angelegt war und wie nah das Magazin an den realen Herausforderungen der Mieterinnen und Mieter blieb. Berichtet wurde über steigende Mietpreise und Gerichtsurteile zu überhöhten Mieten, über Initiativen gegen den Verfall von Häusern und Konflikte rund um Eigenbedarfskündigungen. Es ging um die Forderung nach einem Grundrecht auf Wohnen, um Solidarität mit Obdachlosen und um die Lebensrealität in Hamburger Stadtteilen, die in Porträts vorgestellt wurden. Das MieterJournal griff konkrete Belastungen im Alltag auf – etwa durch Dachausbau, Lärm oder problematische Investorenpraktiken. Themen wie Umweltpolitik, Betriebskosten oder Elektrosmog fanden ebenso ihren Platz wie Serviceelemente, humorvolle Beiträge oder Rätsel. Später kamen Debatten über Mietrechtsreformen, Schimmelprobleme oder den Abriss von Wohnraum hinzu. Diese Vielfalt zeigt: Das MieterJournal war immer ein Spiegel der sozialen und politischen Entwicklungen rund ums Wohnen.
Nach Eckard Pahlke übernahm 2016 der damalige Vorsitzende des Mietervereins, Siegmund Chychla, die Leitung des Magazins. Unter seiner Führung rückten insbesondere wohnungspolitische Fragen sowie die zunehmende Mietpreisentwicklung in den Fokus, die mit der Veröffentlichung des Mietenspiegels Ende 2015 an Brisanz gewann. Seit 2022 steht Dr. Rolf Bosse an der Spitze der Redaktion. Mit klarer Haltung und pointierten Analysen – etwa in seinem Editorial oder seiner Kolumne „Bosses Blick“ – scheut er sich nicht, unbequeme wohnungspolitische Themen anzusprechen und einzuordnen.
Ein zentrales Anliegen des MieterJournals ist die Vermittlung von Mietrecht. Während sich die frühen Ausgaben mit ihren detaillierten Urteilsbesprechungen an Fachleute wie Richter und Anwälte richteten, hat sich der Fokus im Laufe der Zeit verschoben. Heute legt die Redaktion großen Wert darauf, rechtliche Inhalte verständlich und praxisnah für alle Leserinnen und Leser aufzubereiten.
Auch die Produktion der Zeitschrift hat einen tiefgreifenden Wandel erlebt. Wurden die ersten Ausgaben noch manuell aus Schreibmaschinentexten und Fotos zusammengestellt, entsteht das Magazin heute digital und wird im modernen Rollenoffsetdruck produziert. Hinter den Inhalten steht inzwischen eine professionelle Redaktion. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Rechtsabteilung sind nach wie vor ein fester Bestandteil des Teams – ihre Expertise aus der Rechtsberatung und ihre fundierte Einordnung mietrechtlicher Themen ist unverzichtbar.
Auch gestalterisch hat sich das MieterJournal weiterentwickelt. Mehrere Grafiker haben dem Magazin über die Jahre hinweg ein jeweils zeitgemäßes Erscheinungsbild gegeben. Zuletzt wurde mit der Ausgabe 1/2025 ein umfassender Relaunch umgesetzt. Ganz im Sinne des Aufrufs von Eckard Pahlke aus dem ersten Editorial – „Helfen Sie bitte mit, das Mieter-Journal von der Aufmachung und vom Inhalt her interessant zu gestalten“ – wurden die Leserinnen und Leser aktiv einbezogen. Eine große Umfrage nach dem Relaunch lieferte wertvolle Rückmeldungen, von denen viele direkt umgesetzt wurden.
Ein weiterer Schritt in die Zukunft war der Start der neuen Website im März 2025. Seitdem ist das MieterJournal nicht nur gedruckt, sondern auch auf mieterjournal.de verfügbar. Ergänzt wird das Angebot durch einen Newsletter, der zu jeder neuen Ausgabe an alle Mitglieder per E-Mail geschickt wird und die wichtigsten Themen vorstellt.
35 Jahre nach seiner Gründung ist das MieterJournal mehr als nur ein Magazin: Es ist ein Spiegel der wohnungspolitischen Entwicklungen in Hamburg, ein Ratgeber für Mitglieder und eine Plattform für die Stimmen der Mieterinnen und Mieter. Und es bleibt – damals wie heute – ein Gemeinschaftsprojekt, das von den Rückmeldungen, Geschichten und Ideen seiner Leserinnen und Leser lebt.
„Da stehen interessante Dinge drin“

Dr. Eckard Pahlke Pahlke war von 1974 bis 2015 Vorsitzender des Mietervereins und erster Chefredakteur des MieterJournals. Im folgenden Interview spricht er über die Anfänge des Magazins.
Wie kam es zur Gründung des MieterJournals?
Wir wollten den Mieterverein nach außen tragen. Eine vereinseigene Zeitschrift sollte alle Mitglieder mit Informationen aus der Vereinsarbeit erreichen und die im Verein organisierten Mieter verbinden. Da die Aufgaben des Vereins weit über die Betreuung seiner Mitglieder hinausging, sollte sie auch für Außenstehende interessant sein und Mitglieder werben.
Funktionierte das?
Ein großer Teil sollte in Hamburg verteilt werden – an Behörden, Ämter und Parteien. Dazu eine Anekdote: Ich hatte einmal im Bus einen Packen neben mich gelegt. Ein Herr fragte mich, ob die Zeitschriften mir gehörten. Ich verneinte, und er nahm ein Exemplar. Nach dem Durchblättern sagte er, ich solle auch ein Exemplar nehmen, da stünden interessante Dinge drin!
Wie kam die Zeitschrift zu ihrem Namen?
Die Zeitschrift ging auch an alle Gerichte in Hamburg. Eines Tages sprach mich Richter Dr. Friedemann Sternel an vom Landgericht Hamburg. Man würde mit Interesse unsere Mieteurteile lesen, die die Anwälte des Mietervereins erstritten hatten. Nur könne man die in der Mietrechtsprechung nicht verwenden, da der Zeitschriftenname Mieterverein zu Hamburg nicht zitierfähig sei. Das war der Anlass, einen Namen zu suchen. So wurde das Heft in MieterJournal umbenannt – mit der Folge, dass es durch Zitate in Urteilen der Hamburgischen Gerichte aufgewertet wurde.
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