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Artikel der Ausgabe: 01 / 2025

Der Digital-Stratege

Illustration eines älteren Manns mit grauem Haar und Brille.
Christian Pfromm. Illustration: Scheerer

Im Porträt: Christian Pfromm, „Chief Digital Officer“ der Freien und Hansestadt Hamburg

Ob Bauanträge, An- und Ummeldung, Führungszeugnis oder Wohngeld – für viele dieser Formalien bei der Stadt mussten Bürgerinnen und Bürger oft lange auf Termine warten. Christian Pfromm will diese bürokratischen Vorgänge in Hamburg vereinfachen. Künftig soll der Gang zum Amt unnötig sein und alle Anträge online bearbeitet werden können, verspricht der studierte Diplom-Wirtschaftsinformatiker, der als in der Senatskanzlei angesiedelter „Chief Digital Officer“ (CDO)  alle Fäden für den Ausbau Hamburgs zur digitalen Stadt und digitalen Transformation der öffentlichen Verwaltung in seinen Händen hält.

Die zu diesem Zweck für Hamburg ausgerufene „Digitalstrategie 2025“ ist laut Pfromm darauf ausgerichtet, „alle Bereiche des Gemeinwesens in den Blick zu nehmen“ und die Attraktivität Hamburgs als Wirtschaftsstandort zu stärken. Hamburgs oberster Digital-Stratege betont, dass die Anwendungen „einen nachhaltigen Nutzen haben müssen“ und dass die Digitalisierung eines Gemeinwesens „tiefgreifende Veränderungen“ mit sich bringe, die unsere Lebens- und Arbeitswelten betreffen. In diesem Kontext stehe der Mensch aber immer im Mittelpunkt – „als Anwender oder Nutzer, als Bürgerin und Bürger“. Hamburg ist dabei offenkundig auf einem guten Weg. Laut „Smart City Index“ des Branchenverbands Bitkom liegt die Hansestadt bei der Digitalisierung im Vergleich der Großstädte weit vorn: hinter München zum dritten Mal auf dem zweiten von 83 Plätzen.

Gut voran gehe es beispielsweise bei den Bauanträgen, betont Pfromm: „Dieses Verfahren läuft bereits seit 2024 komplett digital ab – zunächst über den städtischen Onlinedienst ‚Bauantrag stellen 2.0‘ und seit Januar dieses Jahres über den neuen Service ‚Digitale Baugenehmigung’.“ Die Digitalisierung habe das Genehmigungsverfahren stark vereinfacht: „Postwege, manuelle Weiterleitungen und doppelte Dateneingaben entfallen. Die beteiligten Stellen können sich parallel abstimmen, was die Bearbeitungszeiten verkürzt.“ So sparten Bauherren, Architekten sowie die Mitarbeitenden der Bauaufsichtsbehörden Zeit und Aufwand.

Pfromm begann seine berufliche Laufbahn als Bankkaufmann in der IT bei der Dresdner Bank. Es folgten verschiedene Managementfunktionen und Wechsel innerhalb der Branche, bis er die Leitung des Amtes für IT und Digitalisierung der Senatskanzlei übernahm. Seit Anfang 2018 koordiniert er dort sämtliche Digitalisierungsmaßnahmen und setzt mit seinem rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählenden Team die Digitalstrategie schrittweise um. Pfromm betont, dass die Digitalisierung nicht nur technologische Innovation bedeutet, sondern mit einer umfassenden Transformation der Verwaltung mit ihren 72.000 Beschäftigten einhergeht.

Zu den Kernzielen der Digitalstrategie 2025 gehören Verwaltungsmodernisierung, Bürokratieabbau sowie Datennutzung und -sicherheit. Vor allem sollen aber Hamburgs Bürgerinnen und Bürger von der Transformation profitieren: „Unabhängig vom Wohnort in Hamburg können sie über hamburg.de/service zentral nach städtischen Dienstleistungen suchen. Im nächsten Schritt wird automatisch das für das jeweilige Anliegen zuständige Bezirksamt ermittelt, und sie erhalten passende Informationen zu diesem Amt.“ So werde sichergestellt, dass alle die relevanten Informationen und digitalen Angebote finden – auch wenn die einzelnen Bezirksämter ihre Internetseiten noch unterschiedlich gestalten.

Privat ist für Hamburgs Digital-Chef das Elbufer die schönste Ecke der Hansestadt, verbunden mit dem typischen hamburgischen Moment eines Franzbrötchens bei Nieselregen: „Beides hängt dicht miteinander zusammen.“ In seiner Freizeit ist Pfromm bisweilen gerne analog unterwegs und repariert alte Stereoanlagen aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Lesend hebt er dann wieder ab, und zwar in intergalaktische Sphären. Seine aktuelle Lektüre, ein Buch von Mark McCaughrean: „111 Places in Space That You Must Not Miss: Travel Guide“.

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