Die Titelseite des MieterJournals 1/2026 zeigt eine Kiste mit kleinen bunten Wohnblöcken und einem zusammengerollten Bauplan. Diese stehen symbolisch für den Hamburg-Standard, ein neues Baukonzept in Hamburg.
01 / 2026

Neues Baukonzept: Hamburg-Standard – Pläne, Praxis, Perspektiven

Editorial

Liebe Mitglieder, liebe Leserinnen und Leser,

Portrait von Rolf Bosse

Ihr Dr. Rolf Bosse

Vorsitzender Mieterverein zu Hamburg

ich hoffe, Sie sind gut durch den Winter gekommen! Der war dieses Jahr um einiges ausgeprägter, die kalten Tage im Januar und Februar eine Belastung für Körper und Geist. Und für die Infrastruktur! Nicht nur hat sich die Anzahl der Schlaglöcher auf Hamburgs Straßen stärker erhöht als sonst, auch Baustellen waren von der Witterung betroffen und lagen brach. Mehr Frust für alle, die aufgrund von Sperrungen ihre gewohnten Wege nicht mehr oder nur mit Verzögerungen bewältigen können. Ein Bauvorhaben sticht besonders heraus: Die neue Linie U5, die Hamburgs Nordosten mit dem Nordwesten verbinden soll. Wahrlich ein Jahrhundertprojekt, leider führt es auch zu Jahrhundertbelastungen. Für die Pendler, die entlang der Trasse mit dem Auto unterwegs sind, heißt es Zähne zusammenbeißen. Wer entlang der Trasse wohnt und von Lärmbelastungen betroffen ist, hat nicht selten Anspruch auf eine Entschädigung in Form einer Mietminderung. Das geht bei Baumaßnahmen der öffentlichen Hand eigentlich nicht. Möglich macht es hier das von der Hochbahn entwickelte „Entschädigungskonzept zu den Schallimmissionen der Baustellenbereiche“, das bezeichnet, welche Straßen und Hausnummern so belastet sind, dass die Eigentümer eine Mietminderung gewähren und sich bei der Hochbahn zurückholen können. Wer knapp daneben wohnt, sollte nicht verzagen, sondern eine Minderung fordern mit dem Zusatz, die Vermieterseite möge sich um eine Erstattung bemühen.

Dass absehbar Ruhe einkehrt und die Baustellen weniger werden, ist nicht zu erwarten. Zu viel ist zu erledigen im Kontext des Strom- und Fernwärmeausbaus, der Gebäudesanierung und natürlich des Neubaus. Immerhin sehen wir, dass Bewegung entsteht und wichtige Themen, wie genug Wohnraum für alle und das Erreichen von Klimazielen, angegangen werden. Das ist gut für Hamburg und alle, die hier wohnen, arbeiten und leben. Lassen Sie uns das nicht vergessen, wenn wir das nächste Mal genervt im Stau stehen.

Auch für den Mieterverein geht eine arbeitsreiche Zeit zu Ende. Von Anfang Dezember 2025 bis weit in den Januar 2026 hinein erreichten uns jeden Tag Hunderte von Anfragen, vor allem zu Betriebskosten, Mieterhöhungen und Wohnungsmängeln. Ich bedanke mich beim gesamten Team unseres Vereins für den Einsatz bei der Bearbeitung der Anfragen! Und bei Ihnen, liebe Mitglieder, für Ihre Geduld, wenn die Antwort etwas länger gedauert hat. Wir wollen Ihnen die schnellste und bestmöglichste Unterstützung bieten. Sollte es nicht so laufen, wie Sie es sich vorstellen, bitte ich Sie: Melden Sie sich! Bei der Leitung unserer Rechtsabteilung, in unserer Vorstandssprechstunde oder über unsere Telefonzentrale mit einer Rückrufbitte durch mich.

Hamburg-Zahl

6.734

Wohnungen wurden 2025 in Hamburg genehmigt – 24 mehr als im Vorjahr. Dennoch wird damit das Ziel des Bündnisses für das Wohnen, dass in der Hansestadt jedes Jahr mindestens 10.000 Wohnungen gebaut werden sollen, auch im vierten Jahr in Folge so nicht erreicht. Der Neubau kommt nur langsam voran. Seit 2011 wurden immerhin 145.666 Wohnungen genehmigt.

Quelle: Statistikamt Nord

Stadtteil-Rundgang

Bosses Blick lesen

Bosses Blick

In seiner Kolumne „Bosses Blick“ schreibt der Vorsitzende des Mieter­vereins über ein wohnungspolitisches Thema, das für Hamburgs Mieterinnen und Mieter besonders wichtig ist. Bosse prangert ebenso kritisch wie meinungsstark Fehlentwicklungen an, kommentiert aktuelle Tendenzen auf dem Wohnungsmarkt, entwickelt neue Ideen und mischt sich mit deutlich vernehmbarer Stimme in Diskussionen ein.
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Miete-Witz – ernsthaft betrachtet

Checkliste: Glasfaser

Der Glasfaserausbau bringt schnelleres Internet, kann aber auch Fallstricke bergen. Unseriöse Lockangebote an der Haustür, lange Vertragslaufzeiten oder versteckte Kosten sind keine Seltenheit. Mit der Beachtung einiger Regeln schützen Sie sich vor Probleme.

  • Haustür- und Straßenangebote: Unterschreiben Sie nie sofort. Vertreter nutzen oft Zeitdruck oder Sonderaktionen, um schnelle Unterschriften zu bekommen. Lassen Sie sich alle Unterlagen zuerst schriftlich geben und prüfen Sie diese in Ruhe.
  • Vertragslaufzeiten prüfen: Verträge starten rechtlich bereits mit der Unterschrift, nicht erst mit der Freischaltung. Achten Sie darauf, dass die Mindestlaufzeit korrekt angegeben ist und maximal 24 Monate beträgt.
  • Keine Zahlungen vor Leistung: Häufig wird ein Vertrag abgeschlossen, obwohl noch unklar ist, ob tatsächlich Glasfaser verlegt wird. Zahlungen sollten erst erfolgen, wenn der Anschluss verfügbar ist und die vereinbarte Leistung erbracht worden ist.
  • Widerrufsrecht nutzen: Verträge, die außerhalb der Geschäftsräume abgeschlossen werden, können in der Regel innerhalb von 14 Tagen widerrufen werden. Fehlt eine ordnungsgemäße Widerrufsbelehrung, verlängert sich die Frist.
  • Seriöse Angebote erkennen: Transparente Preisangaben, klare Leistungen, schriftliche Unterlagen und die Möglichkeit, sich Bedenkzeit zu nehmen, sind Merkmale seriöser Anbieter. Druck, undeutliche Formulierungen oder fehlende Informationen sind Warnsignale.
  • Handeln bei Problemen: Wenn Sie unsicher sind oder ein Vertrag ungewollt zustande gekommen ist, widerrufen Sie rechtzeitig und bewahren Sie alle Unterlagen auf. Mitglieder können sich beim Mieterverein zu Hamburg beraten lassen – wir prüfen Ihre Unterlagen und unterstützen Sie bei der Durchsetzung Ihrer Rechte.

Ihre Meinung zählt!

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