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Drama in der Holstenstraße
Teilabriss eines akut einsturzgefährdeten Altbaus: Bewohner verlieren Wohnungen und Eigentum. Der Mieterverein fordert Hilfe und einen verbindlichen Wohnraum-TÜV.
Wo bis vor Kurzem noch gekocht, gegessen und gelebt wurde, klafft nun ein Loch in der Fassade der Holstenstraße 197. Der hintere Teil des Altbaus ist abgerissen – mitsamt dem Hab und Gut der Bewohnerinnen und Bewohner. Stück für Stück hatte ein Abbruchgreifer die Fassade abgetragen und dabei Räume freigelegt, die bis kurz zuvor noch bewohnt waren. Eine vollständig eingerichtete Küche kam zum Vorschein, ein Kühlschrank samt Inhalt stürzte mehrere Stockwerke tief in den Schutt. Zurück blieben Trümmer – und Menschen, die nicht wissen, wann und ob sie ihr Zuhause wiedersehen werden.
Ende Juli war die Lage eskaliert. Das Haus Holstenstraße 195/197 musste wegen akuter Einsturzgefahr geräumt werden. Aus Sicherheitsgründen mussten zeitgleich auch die Bewohnerinnen und Bewohner des benachbarten Hauses 199 ihre Wohnungen verlassen; kurz darauf folgte das Haus 191/193. Ein Statiker hatte die Gefahr so hoch eingeschätzt, dass die Menschen ihre Wohnungen binnen kürzester Zeit räumen mussten. Zehn Minuten blieben den Betroffenen, um das Nötigste mitzunehmen. Wenige Tage später begann der Abriss, der verhindern sollte, dass der hintere Teil des Gebäudes Holstenstraße 197 einstürzt und dabei benachbarte Gebäude beschädigt oder zum Einsturz bringt.
Mit dem Abriss wurden Möbel, Fotos, Erinnerungsstücke zerstört. Für die Betroffenen ist die Situation mehr als ein bauliches Problem. Sie haben ihre Wohnungen verloren, gleichzeitig geht es um Mietzahlungen, Ersatzwohnraum und die Frage, wer für die entstandenen Schäden aufkommt. Etwa zwei Drittel des Hauses stehen außerdem noch. Nun muss dafür gesorgt werden, dass die Betroffenen ihre verbliebenen Sachen zurückerhalten. Bis Redaktionsschluss war dies noch nicht möglich.
Der Mieterverein zu Hamburg fordert, dass Mietminderungen und Aufwendungsersatzansprüche unverzüglich anerkannt werden und verlangt schnelle und unbürokratische Unterstützung. „Die Menschen haben hier nicht nur ihre Wohnungen verloren, sondern drohen auch noch ihr restliches Hab und Gut zu verlieren“, sagt Lukas Bowen, Rechtsberater beim Mieterverein zu Hamburg. Der Mieterverein sieht vor allem den Eigentümer des Hauses in der Pflicht. Er müsse einen verbindlichen Plan vorlegen, wie das Gebäude gesichert und der zerstörte Gebäudeteil wieder aufgebaut werden kann, damit die Menschen ihr Zuhause wiederbekommen.
Eine solche Perspektive gab es für die Betroffenen bis Redaktionsschluss nicht. Während der Vermieter ihnen weder Ersatzwohnraum noch einen Plan für den Wiederaufbau angeboten hatte, wurde der Bezirk Altona aktiv. Bezirksamtsleiter Sebastian Kloth bot der Hausgemeinschaft der Holstenstraße 197 eine zumindest vorübergehende Wohnmöglichkeit an: Alle könnten gemeinsam in ein derzeit leerstehendes Haus der Wohnungsgenossenschaft Altoba ziehen. Laut Presseberichten könnten dort kurzfristig zehn Wohnungen hergerichtet werden. Die Unterkunft wäre auf maximal zwei Jahre begrenzt, da das Gebäude aus den 1950er-Jahren in der Chemnitzstraße anschließend einem Neubau weichen soll. Ob dieses Angebot für sie infrage kommt, wollen die Betroffenen nun prüfen. Über die sozialen Medien teilten sie mit, dass sie für die Unterstützung des Bezirks sehr dankbar seien. Ihr Ziel bleibe jedoch, langfristig in ihr Zuhause in der Holstenstraße zurückzukehren. Nun müsse geprüft werden, wie sich die vorübergehende Lösung mit diesem Wunsch vereinbaren lässt.
Damit sich solche Fälle wie der Abriss in der Holstenstraße nicht wiederholen, fordert der Mieterverein: Wohngebäude müssen regelmäßig zum TÜV! Es braucht eine verbindliche Nachweispflicht, dass „Dach und Fach“ aller Wohngebäude intakt, die Häuser baulich sicher und frei von substanzbedrohenden Mängeln sind. Ein bei den Wohnraumschutzämtern angesiedelter „Wohnraum-TÜV“ könnte Schäden frühzeitig erkennen und sicherstellen, dass notwendige Instandsetzungen nicht erst dann erfolgen, wenn der Wohnraum bereits akut gefährdet ist. So ließe sich verhindern, dass Mietende am Ende vor den Trümmern ihres Zuhauses stehen.
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