Erst privat, heute öffentlich – der Jenischpark

Buchcover mit der Abbildung eines Parks.
Hans-Jörg Czech u.a.(Hrsg.): Jenischpark. Unerzählte Geschichten seit 1785, Dölling und Galitz, Hamburg, 2026, 208 Seiten, 34 Euro

Das Buch ist begleitend zur Ausstellung „Parkomania“ erschienen, die noch bis zum 6. September im Jenischhaus zu sehen ist. In zwölf Kapiteln wird die bunte, mehr als 240-jährige Historie eines der schönsten Ham­burger Parks kritisch gewürdigt, und bisher unbekannte Aspekte werden ins Zentrum der Betrachtung gestellt.

Der mit dem Kolonialhandel reich gewor­dene Hamburger Kaufmann Caspar Voght ließ ab 1785 an den Flottbeker Elbhöhen ein Mustergut nach englischem Vorbild anlegen. Er verfolgte sowohl ästhetische als auch wis­senschaftlich-ökonomische Interessen und verband malerische Parklandschaften mit Landwirtschaft. Der gebildete Kosmopolit – er war mit Goethe bekannt und mit Klopstock befreundet – gilt als Pionier der Agrarreform und führte den Anbau von Kartoffeln in Norddeutschland ein. Seine Biografie ist voller Gegensätze: Einerseits profitierte Voght von kolonialer Ausbeutung, andererseits war er vom Reformgeist beseelt und setzte sozial­politische Maßstäbe. Er ließ Wohnungen und eine Schule für die Landarbeiter bauen, zahlte gute Löhne und gewährte soziale Leistungen wie Krankengeld und Rente.

Benannt ist der Park nicht nach seinem Schöpfer, sondern nach dem zweiten Besit­zer, Senator Martin Johan Jenisch d. J., der das Grundstück 1828 erwarb. Dieser stellte die Agrarwirtschaft zugunsten eines prestige­trächtigen Freizeitgeländes ein. Er ließ an exponierter Stelle ab 1831 das Jenischhaus nach dem Vorbild englischer Gartenkultur erbauen. Dabei handelt es sich um eine Gartenanlage zwischen Sommerhaus und Park mit groß­zügigen Blumenanlagen, Gewächshäusern mit tropischen Pflanzen und außereuropäischen Bäumen, die teils noch vorhanden sind. Das Zurschaustellen von „exotischen“ Pflanzen gehörte damals zum guten Ton. Ihr Vorhan­densein in deutschen Parks spiegelt bis heute die komplexen Verflechtungen des europäi­schen Kolonialhandels wider.

Weitere Kapitel des ansprechend bebilderten Werks beschäftigen sich mit der umfangrei­chen Bibliothek Caspar Voghts, die nach sei­nem Tod von einem Auktionshaus versteigert wurde, mit Flora, Fauna und Architektur, und nicht zuletzt mit dem Wandel vom privaten Anwesen zum öffentlichen Park. Das Buch eignet sich als hochwertiges Geschenk nicht nur an Naturfreunde – am besten mit Ein­trittskarte zur Ausstellung!

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