Rolltreppe und Blick in eine Einkaufsstraße mit Fußgängerzone.

Facelifting für Harburgs „Lü“

Die Lüneburger Straße wird bis 2029 für 6,5 Millionen Euro saniert. Auch für Karstadt gibt es Pläne.

Zwei Problembereiche sorgen in Harburg für Magen­grummeln: das fast leerstehende Karstadt-Gebäude sowie die Lüneburger Straße. Doch für beide gibt es inzwischen Grund zur Hoffnung. Die Lüneburger Straße war einst Harburgs Boulevard: Hier traf man sich, hier kaufte man ein. Sogar eine Straßenbahn fuhr hier durch. Doch mittlerweile ist die „Lü“, wie die Harburger sie liebevoll nennen, in die Jahre gekommen. Der Putz bröckelt – und das nicht nur sinnbildlich. Hölzerne Sitzbänke sind verblichen, teilweise mit Taubenkot verschmutzt, die Baumeinfassungen rotten vor sich hin. Der Straßenbelag, verblasster roter Klinker, ist teilweise locker, Lücken wurden provisorisch mit Asphalt gefüllt.

Wie sehen eigentlich ältere Bürger die „Lü“? „Ich bin ein alter Bewohner hier in Harburg“, erzählt ein 89-Jähriger mit griechischer Herkunft. Er sitzt mit einem 84-jähri­gen Bekannten, ebenfalls mit griechischer Migrations­geschichte, unter Sonnenschirmen in einem Café in der Lüneburger Straße. „Es ist kein Vergleich mehr mit früher. Das ist nicht mehr das alte Harburg“, bedauert der 89-Jährige. Beide kamen in den 1960er-Jahren als „Gastarbeiter“ nach Harburg. Der 89-Jährige nimmt kein Blatt vor dem Mund: „Eine Schande ist das hier!“

Doch nicht jeder urteilt so negativ. Der Inhaber des „Sama Markt“ mit Gemüse und orientalischen Speziali­täten hat eine andere Wahrnehmung: „Der Straßenbelag ist schadhaft und sollte erneuert werden, ebenso die Sitzgelegenheiten. Aber sonst sind wir sehr zufrieden.“ Offensichtlich hat die Lüneburger Straße mehrere Sei­ten. Sie ist gut besucht, nahe dem S-Bahnhof Harburg Rathaus gibt es gleich mehrere Cafés. Ein Eiscafé in den Harburg Arcaden serviert seinen Gästen süße Kreationen, ein türkischer Bäcker versorgt seine Kundschaft schon früh mit frischem Brot, Brötchen und Kuchen.

6,5 Millionen Euro für Umbau

Dennoch: Die Mängel lassen sich nicht schönreden. Der Bezirk plant eine umfassende Neugestaltung samt Nebenstraßen. Den ersten Preis im „Freiraum­ planerischen Wettbewerb“ gewann der Entwurf des Hamburger Büros Bruun & Möllers Landschaften. Er setzt auf die Fortführung des „Roten Bandes“ mit rötlichem Klinkerpflaster im Fischgrätverband, das den Schloßmühlendamm optisch mit der Innenstadt verbinden soll. Viel Grün und neue Baumpflanzungen sollen zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen. Geschätzte Gesamtkosten: 6,5 Millionen Euro, 2029 soll der Umbau abgeschlossen sein.

Gemischte Kommentare kommen aus der Kommunal­politik. Frank Richter (SPD) lobt, „dass der Entwurf die Attraktivität der ‚Lü‘ deutlich verbessern“ werde. Maike Dieckmann (Bündnis 90/Die Grünen) meint: „Besonders positiv ist, dass Klimaresilienz, Aufenthaltsqualität, Begrünung und Barrierefreiheit aufgegriffen werden.“ Skeptisch äußert sich hingegen Simon Dhemija (Frak­tion Die Linke Harburg): „Der Entwurf ist ein guter Anfang.“ Er bemängelt aber, „dass trotz der angekündig­ten Begrünung große Flächen weiterhin stark versiegelt bleiben“. Rainer Bliefernicht (CDU) plädiert für einen veränderten Branchenmix: „Eine attraktive Mischung aus Wohnen, Gastronomie, Dienstleistungen, Sport, Freizeit und weiterhin auch Einzelhandel.“

Eine „attraktive Mischung“ wünschen sich auch viele für das ehemalige Karstadt-Haus unweit der Lünebur­ger Straße. Signale in diese Richtung kamen kürzlich aus der Finanzbehörde. Behördenchef Andreas Dressel (SPD) ließ eine Erklärung versenden, wonach der Senat die Bürgerschaft demnächst um Zustimmung ersuchen würde, „zur Veräußerung der Grundstücke im Wege einer Konzeptvergabe im Rahmen der neuen Bodenpolitik“. Meint im Klartext: Sobald eine Machbarkeitsstudie vorliegt, könnten die Karstadt-Häuser in Harburg und Bergedorf von den Bezirken für gemeinnützige Zwe­cke verwendet werden. Die Stadt hatte frühzeitig die Karstadt-Flächen gekauft. In das Karstadt-Haus sollen die Bücherhalle und die Volkshochschule ziehen, das Archäologische Museum Hamburg hat dort bereits seine Außenstelle „Planet Harburg“ eröffnet. Die ver­bliebenen Flächen sollen „an verlässliche Partner der Wohnungswirtschaft“ gegeben werden.

Rolltreppe und Blick in eine Einkaufsstraße mit Fußgängerzone.
Vom S-Bahnhof Harburg Rathaus direkt ins volle Leben – in die Lüneburger. Foto: Schwarz

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