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Für Mitglieder vor Ort

Von der Herausforderung, zwischen Mietenden und Vermietenden zu vermitteln.
Klaus Sanmann könnte ein ruhiges Rentnerleben in seinem Reihenhaus in Mecklenburg-Vorpommern führen. Stattdessen fährt der 77-Jährige regelmäßig 80 Kilometer nach Hamburg, um dort als Außendienstler des Mietervereins Mitgliedern zur Seite zu stehen. Seit fast zwanzig Jahren macht er das, insgesamt hat er weit über 1.500 solcher Termine gehabt.
„Das macht mir Spaß“, sagt Sanmann. Er begleitet Mitglieder bei Terminen mit der Vermietung oder Hausverwaltung oder besucht sie in ihrer Wohnung, wenn etwas im Argen liegt. Wohnungsübergaben, Begehungen und die Belegeinsicht zur Betriebskostenabrechnung sind die häufigsten Anlässe für seine Einsätze im Außendienst. Das klingt nicht unbedingt nach Spaß, aber Sanmann geht es um die Zwischenmenschlichkeit.
„Oftmals ist die Unsicherheit einfach groß und Mieter fühlen sich machtlos, wenn ein Termin mit Vermietung oder Hausverwaltung ansteht“, berichtet er. Da kommt Sanmann ins Spiel. Seit bald 50 Jahren arbeitet er in der Branche. In den 1970er-Jahren begann der studierte Politologe als Sozialarbeiter für die Wohnungswirtschaft. Dort ging er dann seinen Weg – von der Aushilfe in der Buchhaltung über die Leitung einer Geschäftsstelle bis hin zur stellvertretenden Geschäftsführung. Parallel bildete er sich zum Immobilienfachwirt fort. Nach 30 Jahren wechselte er dann die Seiten und begann, Mietende zu beraten und zu begleiten. „Es gibt in der Wohnungswirtschaft fast nichts, was ich nicht kenne“, sagt er.
Dank seiner Berufserfahrung gilt Sanmann als der Mann für die Extremfälle im Außendienst. „Theoretisch soll ich einfach präsent sein und protokollieren. Doch in der Praxis übernehme ich auch eine Mediationsfunktion“, er klingt dabei gelassen, „ich moderiere, damit sich niemand an die Gurgel geht.“ Handfeste Auseinandersetzungen seien aber die absolute Ausnahme. In den vielen Jahren Außendienst sei er selbst zweimal körperlich angegangen worden. „Nur zweimal in fast zwanzig Jahren“, betont er. Wenn er davon berichtet, klingt er sehr ruhig. Er scheint tiefes Verständnis für die Personen zu haben, die handgreiflich geworden sind.
„Rechtlich können Fälle eindeutig sein, zwischenmenschlich aber nicht“, sagt Sanmann. In seinem Auftreten ist er sehr klar. Als bei einem Termin ein großgewachsener Mieter vor ihm steht, lospoltert und wild gestikuliert, lässt Sanmann das unbeeindruckt. Er unterbricht ruhig mit einem klaren „Stopp“ und sortiert die Situation. Er bietet Orientierung in all der Aufregung und schaut hinter die Fassade. „Der war sehr groß und laut, aber letztlich war er auch einfach verunsichert“, ordnet Sanmann den Termin im Nachhinein ein.
Er ist erfahren im Umgang mit erhitzten Gemütern. Die meisten Termine verliefen glimpflich, vor allem bei professionellen Vermietenden. „Die wissen was zu tun ist, was ihre Rechte sind und nehmen das nicht persönlich“, sagt er. Da seien eher Hauswarte gelegentlich die Herausforderung. „Die bügeln gern mal über die Leute drüber, da kann es dann helfen, wenn ich als alter weißer Mann dabei bin. Mietende berichten immer mal wieder, dass sie ihren Hauswart nie zuvor so freundlich erlebt hätten“, erzählt Sanmann.
Komplizierter werde es bei privaten Vermietenden. Sanmann berichtet von einem immer wiederkehrenden Problem bei Wohnungsübergaben: „Da bekommt jemand seine Eigentumswohnung zurück und ist entsetzt, dass die nicht mehr so aussieht wie bei der Übergabe vor 20 Jahren.“ Mit Fingerspitzengefühl und Menschenkenntnis konnte Sanmann schon vielfach zur Klärung solcher Situationen beitragen. Letztlich geht es darum, einen Kompromiss zu finden und den Beteiligten zu erklären, dass das im Regelfall für alle besser ist als eine kostspielige juristische Auseinandersetzung.
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