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Gastbeitrag – Stimmen der Stadt
Von Matthias Saß, Vorstand der Hamburger Wohnungsbaugenossenschaften

Bezahlbares Wohnen, starke Quartiere, echte Gemeinschaft: Genossenschaften wie die Schiffszimmerer verbinden soziale Verantwortung mit wirtschaftlicher Stabilität.
In Zeiten wie diesen, die durch politische und wirtschaftliche Unsicherheit geprägt sind, bieten Genossenschaften ein sicheres Zuhause und sorgen für sozialen Zusammenhalt. Genossenschaften bauen nicht nur Häuser. Genossenschaften wie die Schiffszimmerer bauen Nachbarschaften. Wir schaffen Gemeinschaftsräume, unterstützen Miteinander im Alltag, ermöglichen Angebote für Jung und Alt, stabilisieren Quartiere, bevor Probleme groß werden. Dieses Engagement ist kein „Nice-to-have“, sondern Teil unseres Auftrags – und ein echter Standortvorteil für Hamburg. Denn am Ende ist Wohnen mehr als Quadratmeter: es ist Zugehörigkeit, Sicherheit, Perspektive.
Die Schiffszimmerer-Genossenschaft ist mit ihren 9.000 Wohnungen und rund 17.500 Mitgliedern eine von rund 50 Wohnungsbaugenossenschaften, die es in Hamburg gibt. Bei uns liegt bei den frei finanzierten Wohnungen, also jenen ohne öffentliche Förderung, die monatliche Nettokaltmiete im Durchschnitt bei acht Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Das ist angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten eine enorme sozialpolitische Leistung. Wir wünschen uns, dass dies besser gewürdigt würde. Viel zu oft werden wir mit jenen Vermietern in einen Topf geworfen, denen es nur um eine Maximalrendite geht.
Bei unserem Bemühen als sozialer Vermieter hätten wir gern öfter den Mieterverein zu Hamburg an unserer Seite – zuletzt beim Hamburger Zukunftsentscheid. Als Vorstand, der für das wirtschaftliche Wohlergehen einer Genossenschaft verantwortlich ist, stehe ich den Konsequenzen kritisch gegenüber.
Und das nicht, weil ich den Klimaschutz infrage stelle. Als Vater weiß ich, wie wichtig Zukunftsfähigkeit ist. Aber ich sage auch, dass Klimaschutz im Gebäudesektor am Ende nicht zur Kostenlawine werden darf, die das bezahlbare Wohnen beschädigt. Wenn der Druck auf Sanierung und Neubau steigt, ohne dass technische Machbarkeit, Kapazitäten und Finanzierung mitgedacht würden, zahlen am Ende diejenigen, die ohnehin schon rechnen müssen.
Der Mieterverein zu Hamburg hat den Zukunftsentscheid ausdrücklich unterstützt. Das ist sein gutes Recht – aber aus Sicht vieler Genossenschaften hat diese Positionierung spürbar zur Polarisierung beigetragen und den Mieterverein bei vielen in der Wohnungswirtschaft Reputation gekostet. Wir brauchen in Hamburg starke Mietervertretungen – aber wir brauchen sie als Brückenbauer. Gerade beim Klimapfad muss gelten: sozial, machbar, finanzierbar – und nicht: moralisch laut, praktisch unbezahlbar.
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