Gastbeitrag – Stimmen der Stadt

Von Matthias Saß, Vorstand der Hamburger Wohnungsbaugenossenschaften

Mann mittleren Alters im Anzug.
Matthias Saß, Vorstand der Hamburger Wohnungsbaugenossenschaften. Foto: Dennis Reher

Bezahlbares Wohnen, starke Quartiere, echte Gemeinschaft: Genossenschaften wie die Schiffszimmerer verbinden soziale Verantwortung mit wirtschaftlicher Stabilität.

In Zeiten wie diesen, die durch politi­sche und wirtschaftliche Unsicherheit geprägt sind, bieten Genossenschaften ein sicheres Zuhause und sorgen für sozialen Zusammenhalt. Genossen­schaften bauen nicht nur Häuser. Genossenschaften wie die Schiffszim­merer bauen Nachbarschaften. Wir schaffen Gemeinschaftsräume, unter­stützen Miteinander im Alltag, ermög­lichen Angebote für Jung und Alt, sta­bilisieren Quartiere, bevor Probleme groß werden. Dieses Engagement ist kein „Nice-to-have“, sondern Teil unse­res Auftrags – und ein echter Standort­vorteil für Hamburg. Denn am Ende ist Wohnen mehr als Quadratmeter: es ist Zugehörigkeit, Sicherheit, Perspektive.

Die Schiffszimmerer-Genossenschaft ist mit ihren 9.000 Wohnungen und rund 17.500 Mitgliedern eine von rund 50 Wohnungsbaugenossenschaften, die es in Hamburg gibt. Bei uns liegt bei den frei finanzierten Wohnungen, also jenen ohne öffentliche Förde­rung, die monatliche Nettokaltmiete im Durchschnitt bei acht Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Das ist angesichts der gestiegenen Lebens­haltungskosten eine enorme sozial­politische Leistung. Wir wünschen uns, dass dies besser gewürdigt würde. Viel zu oft werden wir mit jenen Ver­mietern in einen Topf geworfen, denen es nur um eine Maximalrendite geht.

Bei unserem Bemühen als sozialer Vermieter hätten wir gern öfter den Mieterverein zu Hamburg an unserer Seite – zuletzt beim Ham­burger Zukunftsentscheid. Als Vor­stand, der für das wirtschaftliche Wohlergehen einer Genossenschaft verantwortlich ist, stehe ich den Konsequenzen kritisch gegenüber.

Und das nicht, weil ich den Klima­schutz infrage stelle. Als Vater weiß ich, wie wichtig Zukunftsfähigkeit ist. Aber ich sage auch, dass Klimaschutz im Gebäude­sektor am Ende nicht zur Kostenlawine werden darf, die das bezahlbare Woh­nen beschädigt. Wenn der Druck auf Sanierung und Neubau steigt, ohne dass technische Machbarkeit, Kapazi­täten und Finanzierung mitgedacht würden, zahlen am Ende diejenigen, die ohnehin schon rechnen müssen.

Der Mieterverein zu Hamburg hat den Zukunftsentscheid ausdrück­lich unterstützt. Das ist sein gutes Recht – aber aus Sicht vieler Genos­senschaften hat diese Positionierung spürbar zur Polarisierung beigetragen und den Mieterverein bei vielen in der Wohnungswirtschaft Reputation gekostet. Wir brauchen in Hamburg starke Mietervertretungen – aber wir brauchen sie als Brückenbauer. Gerade beim Klimapfad muss gelten: sozial, machbar, finanzierbar – und nicht: moralisch laut, praktisch unbezahlbar.

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