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Gastbeitrag – Stimmen der Stadt
Von Klaus Wicher, Vorsitzender des Landesverbandsrats Sozialverband SoVD in Hamburg

Hamburg droht sozial auseinanderzudriften: Steigende Wohnkosten, Kürzungen bei Sozialleistungen und 80.000 fehlende Wohnungen erfordern jetzt entschlossenes Handeln.
Manchmal reicht der Blick in die morgendlichen Nachrichten oder Netzwerke, und ich frage mich, was mit unserer Gesellschaft gerade geschieht. Das Wirtschaftswachstum hat sich verlangsamt, die Inflation hat uns im Griff, der Ton wird rauer. Die, die abgehängt sind, werden mehr. Inzwischen ist auch der untere Mittelstand armutsgefährdet. Die Kosten für die Sozialsysteme steigen an. Darauf reagiert die Bundesregierung mit einer Reform der Systeme – vor allem aber mit dem Abbau von Sozialleistungen. Kommunen, Kreise und Städte haben keine ausreichenden Mittel für mehr bezahlbare Infrastruktur, sodass auch der Bau neuer Sozialwohnungen in Gefahr gerät. Wohnen wird in Hamburg für immer mehr Menschen immer existenzieller.
Umso entscheidender ist, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu festigen, damit Menschen, die mit wenig auskommen müssen, nicht die Hoffnung in eine gesicherte Zukunft verlieren. Die Bereitschaft zur konstruktiven Auseinandersetzung und das Bekenntnis zur sozialen Sicherheit könnten dabei helfen, das Vertrauen in die Demokratie zu sichern. Weiterhin brauchen wir schneller Vereinfachungen bei der Gewährung von Sozialleistungen, weniger Doppelprüfungen und den Ausbau von digitalen Angeboten. Der soziale Wohnungsbau muss dringend wieder Schwung bekommen.
In Hamburg fehlen mindestens 80.000 bezahlbare Wohnungen, das Leben in der Stadt ist teurer als anderswo. Das Preisniveau auf dem Wohnungsmarkt ist hoch und wird unter anderem durch Indexmieten und Staffelmietverträge noch verstärkt.
Schon bald wird es immer mehr Menschen geben, die Angst haben, dies nicht mehr bezahlen zu können. Der kollektive Geduldsfaden scheint dünner zu werden. Das könnte gefährliche politische Folgen für uns alle haben. Besonders Gewerkschaften, Mieterverbände, Sozial- und Wohlfahrtsverbände sind gefordert, diese Veränderungen zu sehen und zu benennen.
Mehr Gerechtigkeit bei der Verteilung der Vermögen und Einkommen ist aus meiner Sicht der entscheidende Weg, um unsere Gesellschaft zu stabilisieren. Ich denke da an eine Vermögensteuer, die für zusätzliche Einnahmen sorgen und neue finanzielle Spielräume eröffnen könnte. Das würde auch den Neubau von bezahlbarem Wohnraum durch die Stadt anschieben und den weniger gut betuchten Menschen spürbar helfen.
Was unsere Zukunft angeht, bleibe ich hoffnungsvoll und setze auf die Vernunft und den Weitblick der Handelnden. Sie müssen jetzt die entscheidenden Schritte tun!
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