Ein Stahlgerüst, dass pink eingefärbt ist.

Hoffnung für die Schilleroper

Ein Stahlgerüst, dass pink eingefärbt ist.
Geschichte im Stadtteil: Die Schilleroper bot bis zum Zweiten Weltkrieg Unterhaltung. Später wurden dort italienische Kriegsgefangene und ukrainische Zivilisten interniert. Foto/Illustration: stahlpress/Scheerer

Oberverwaltungsgericht entscheidet zugunsten des Denkmalschutzes. Eigentümerin muss Stahlgerüst sichern und schützen.

Happy End im Dauerstreit um das Stahlskelett der Schilleroper im Schanzenviertel? Eine Entscheidung des Hamburgischen Oberverwaltungsgericht (OVG) ließ vermutlich im Denkmalschutzamt die Sektgläser klingen. Demnach ist die Eigentümerin des Geländes in der Straße „Bei der Schilleroper“ verpflichtet, das Stahl­gerüst des Gebäudes zu sichern und vor Witterungsein­flüssen nachhaltig zu schützen. Die unter Denkmalschutz stehende Schilleroper darf also nicht abgerissen werden. Das Urteil sei „unanfechtbar“.

Kultursenator Dr. Carsten Brosda (SPD), dem auch das Denkmalschutzamt zugeordnet ist: „Der Beschluss (des OVG, die Redaktion) ist ein großer Erfolg für den Denk­malschutz. Ich danke den Kolleginnen und Kollegen sehr, die sich seit Jahren mit großem Engagement für die Sicherung des Denkmals einsetzen. Ich hoffe sehr, dass die Eigentümerin jetzt endlich ihrer Verpflichtung zur Sicherung des Denkmals nachkommt.“

Auch die politische Konkurrenz begrüßte die Entschei­dung des OVG. So erklärte der Bürgerschaftsabgeordnete Marco Hosemann (Die Linke): „Die denkmalgeschützte Metallkonstruktion muss nun von der Eigentümerin gesichert werden. Wenn sie das nicht macht, kann die Stadt mittels Ersatzvornahme aktiv werden und ihr die Kosten dafür in Rechnung stellen.“ Ersatzvornahme meint, dass die Stadt selbst das Stahlgerippe sichert.

Die Geschichte der Schilleroper reicht zurück in das ausgehende 19. Jahrhundert. Die Unterhaltungsbranche boomte. 1891 als „Circus Busch“ eröffnet, drehten dort bis 1899 Elefanten und Eisbären ihre Runden. Später trat dort Volksschauspieler und Sänger Hans Albers auf. 1943 zerstörte eine Bombe Teile des Gebäudes. Von 1944 bis Kriegsende wurden dort 580 italienische Kriegsgefangene und 50 Zivilisten aus der Ukraine interniert, die als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden. Nach 1945 diente das Haus wieder für Veranstaltungen, bis dort von 1963 bis 1970 italienische Arbeitsmigranten untergebracht wurden. Auf die „Gastarbeiter“ folgten Asylbewerber.

Das Haus verfiel weiter, auch wenn eine Zeit lang Bars und Musikclubs dort einzogen. 2014 erwarb die Schilleroper Objekt GmbH das Areal. Ehrgeizige Pläne standen auf der Agenda: Wohnungsbau, Läden, ein Restaurant, ein Fitnesscenter. Doch diese Vorhaben liegen seit Jahren auf Eis, vielmehr begann ein nicht enden wollender Rechtsstreit um den historischen Bau, der seit 2007 unter Denkmalschutz steht.

Das ist die eine Seite. Es gibt aber noch einen weiteren Akteur in dem Streit um die nunmehr 135 Jahre alte Schilleroper: Der Bezirk Hamburg-Mitte, der sich selt­sam bedeckt hält. So vermerkt die „6. Teilfortschreibung“ vom Februar 2024 des Bezirklichen Wohnungsbaupro­gramms „Planungsrecht“ für den Bereich „Schilleroper“. Demnach sind dort 35 Wohnungen geplant, davon 14 „öffentlich gefördert“. Das käme der Eigentümerin durchaus entgegen. Eine Anfrage des MieterJournals an das Bezirksamt Hamburg-Mitte, wie diese Eintragung im Wohnungsbauprogramm zu verstehen ist, beant­wortete die Pressestelle nicht, verwies vielmehr auf die Kulturbehörde.

Diese erklärte ihrerseits: „Unter Denkmalschutz steht die Stahlkonstruktion, nicht die ehemalige Nutzung als Zirkusbau. Der Erhalt der denkmalgeschützten Stahl­konstruktion bleibt weiterhin das Ziel. Es ist Aufgabe der Eigentümerin, ein Nutzungskonzept zu entwickeln, das mit dem Denkmalschutz vereinbar ist.“

Eine Anfrage bei der Schilleroper Objekt GmbH ergab derweil – nichts. „Wir können Ihnen leider keine wei­terführenden Informationen zur Verfügung stellen“, hieß es. Resümee: Es gibt nicht nur einen – vorerst beendeten – Rechtsstreit zwischen Denkmalschutz und Eigentümerin der Schilleroper. Unter der Oberfläche schwelt offenbar noch ein interner Konflikt zwischen dem Denkmalschutzamt, das der SPD-geführten Kultur­behörde zugeordnet ist, und dem SPD-geführten Bezirk Hamburg-Mitte, der dort wohl gerne Wohnungsbau sehen würde – ein Missklang, den man vermutlich ungern in der Öffentlichkeit austragen möchte.

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