Lesezeit ca. 3 Minuten
Wenn Reden mehr bringt als Recht haben

Einvernehmliche Lösungen statt jahrelanger Streit – der Mieterverein zu Hamburg bietet Mediation als sinnvolle Alternative zum Gerichtsverfahren an.
Der Nachbar hört zu laut Musik, es riecht nach Zigarettenrauch oder die Schuhe im Hausflur sorgen für Ärger. Viele Konflikte im Mietshaus beginnen im Kleinen. Spätestens wenn Gespräche im Treppenhaus scheitern und Fronten sich verhärten, stellt sich die Frage: Wie kann der Hausfrieden wiederhergestellt werden? Der Mieterverein zu Hamburg bietet mit der Mediation seit Jahren ein Instrument an, das genau hier ansetzt – niedrigschwellig, vertraulich und lösungsorientiert.
Mediation ist ein strukturiertes Verfahren, das zwei Konfliktparteien dabei unterstützt, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Geleitet wird das Gespräch von einer unabhängigen Mediatorin oder einem Mediator. Am Ende steht idealerweise eine schriftliche Vereinbarung. „Mediation funktioniert nur durch einen Perspektivwechsel. Jede Partei nimmt die Sicht des anderen ein“, erklärt Rechtsanwältin und Mediatorin Inge Würfel.
Besonders sinnvoll ist Mediation dort, wo Menschen auch künftig miteinander auskommen müssen – etwa bei Nachbarschaftsproblemen oder wenn Mieter und Vermieter im selben Haus wohnen. Ein Rechtsstreit klärt zwar formale Fragen, löst aber selten den eigentlichen Konflikt. Zudem sind viele Probleme rechtlich schwer zu fassen. „Als Rechtsberaterin beim Mieterverein habe ich die Erfahrung gemacht, dass es immer wieder Fälle gibt, die sich mietrechtlich nicht lösen lassen“, sagt Inge Würfel. Lärm, Geruchsbelästigung oder Konflikte um Gemeinschaftsflächen seien typische Beispiele. „Vieles klingt banal, ist für die Betroffenen aber ein täglicher Ärger.“ Die erfahrene Rechtsanwältin bildete sich als Mediatorin fort und bietet diese Möglichkeit der Konfliktlösung nun seit 2019 beim Mieterverein an.
Häufig steht Aussage gegen Aussage
Gerade bei Lärmkonflikten stoßen Gerichte schnell an Grenzen. Häufig steht Aussage gegen Aussage, Beweise sind schwer zu erbringen. Mediation setzt früher an und spart Zeit, Geld und Nerven. Während ein Gerichtsverfahren sich über Monate oder Jahre hinziehen kann, ist eine Mediation oft nach ein oder zwei Sitzungen abgeschlossen. „Vor Gericht muss am Ende einer verlieren. In der Mediation suchen wir eine Lösung, bei der beide Seiten zufrieden sind“, so Würfel.
Wie gut das funktionieren kann, zeigt ein Fall aus der Praxis: Ein Mieter und sein Vermieter, die Tür an Tür wohnen, stritten über die Höhe einer Mietminderung. Nach nur einer anderthalbstündigen Mediation einigten sie sich, unterschrieben eine Vereinbarung und der Hausfrieden war wiederhergestellt. „Sie waren glücklich und grüßen sich nun wieder“, erzählt Würfel zufrieden. Auch bei einem Konflikt zwischen einem Raucher und seinem nichtrauchenden Nachbarn half sie, einen Kompromiss zu finden: feste Zeitfenster, die die Interessen beider Seiten berücksichtigen.
Die Mediation wird häufig in der Rechtsberatung des Mietervereins empfohlen, wenn rechtliche Mittel ausgeschöpft sind oder ins Leere laufen. Voraussetzung ist, dass mindestens eine Partei Mitglied im Verein ist und beide freiwillig teilnehmen. Die Kosten werden vom Mieterverein subventioniert. Inge Würfel führt pro Jahr zwar nur wenige – etwa vier – Mediationen durch, doch die Erfolgsquote ist sehr hoch: In rund 95 Prozent der Fälle kommt es zu einer Einigung. „Deswegen macht das so einen Spaß“, sagt sie. Denn am Ende gehe es nicht ums Gewinnen, sondern darum, wieder glücklich nach Hause gehen zu können.
Mediation beim Mieterverein
Anmeldung: Bei Inge Würfel unter 040/87979-203 (Mo. 9-10 Uhr und Mi. 15-16 Uhr) oder auf mieterverein-hamburg.de/kontakt
Ort: Hauptstandort des Mietervereins,
Beim Strohhause 20, 20097 Hamburg
Kosten: 15 Euro pro Person und
Stunde für Mitglieder
Mehr Informationen gibt es hier.
Ihre Meinung zählt!
Schicken Sie uns Ihr Feedback zu unseren Artikeln, Themenideen oder Hinweise per E-Mail an briefe@mieterjournal.de – wir freuen uns auf Ihre Ideen und Vorschläge!