Eine Visualisierung einer Schwimmhalle für Olympia.
Lesezeit ca. 5 Minuten
Artikel der Ausgabe: 01 / 2026

Pro und Contra Olympia

Ende Mai wird über Hamburgs Bewerbung abgestimmt – Befürworter und Gegner streiten mit Argumenten.

Das Bürgerhaus Bornheide im November 2025. Beim Bürgerdialog für Olympische und Paralympische Spiele konnte, wer wollte, Vorschläge unter dem Motto „Mach mit, bring dich ein“ beisteuern. Und das nicht nur in Osdorf. 15 dieser Veranstaltungen fanden im gesamten Stadtgebiet statt. Im Durchschnitt wurden 100 Teilnehmende gezählt. „Über 800 konkrete Rückmeldungen spiegeln das große Interesse und die Chance wider, die Olympische und Paralympische Spiele für eine Stadt bieten“, sagte Olympia-Projektleiter Steffen Rülke.

Das Bürgerhaus Bornheide Ende Januar 2026. Zur ersten Stadtteilkonferenz des Osdorfer Borns im neuen Jahr ist auch ein Vertreter des örtlichen Sportvereins gekommen. „Wir können die benachbarte Sporthalle nicht nutzen. Der Boden ist kaputt“, sagt Klaus Schulze vom SV Osdorfer Born. Durch die Hilfe der Ämter können die Jugendfußballer in anderen Hallen trainieren, bis der Schaden behoben ist. Andere Einrichtungen des Stadtteils haben weniger Glück. Wenn Kinder und Jugendliche am Nachmittag mit leerem Magen ins Spielhaus Bornheide kommen, fehlt es an Geld und Personal für einen Imbiss. „Hunger ist ein Thema im Stadtteil“, sagt Marit Hofmann, die das DRK-Zentrum Osdorfer Born leitet. Dort mussten zum Jahresbeginn Beratungsangebote für Geflüchtete gestrichen werden. Und das, obwohl „der Bedarf riesig ist“, so Hofmann.

Olympia erscheint hier weit weg, obwohl das geplante Olympiastadion nur drei Kilometer Luftlinie entfernt läge. Der Vorschlag aus dem Bürgerdialog, die Böden der olympischen Sportstätten weiter zu nutzen, kommt für die Halle in Osdorf zu spät. Das im Olympia-Konzept festgeschriebene Ziel, jedem Kind in Hamburg möglichst früh einen Schwimmkurs anzubieten, brächte indes konkrete Verbesserungen. Weil es an Personal und Trainingszeiten fehlt, muss man heute beim SV Osdorfer Born zwei Jahre auf einen Platz im Schwimmkurs warten. In vielen anderen Sportvereinen in Hamburg sieht es ähnlich aus. Helfen würden neue Schwimmhallen, aber im Olympia-Konzept steht nur etwas von der weltweit größten Schwimmarena, die für vier Wochen im Volksparkstadion entstehen würde.

Vor dem Olympia-Referendum am 31. Mai fehlt es noch an einer Kostenschätzung durch den Senat, die nach Redaktionsschluss Mitte März veröffentlicht wird. Die meisten Argumente für oder gegen die Spiele in Hamburg liegen aber schon vor. Wie konkret ist die Hoffnung des Senats auf einen Wirtschaftsaufschwung? „Wer noch einen Nachweis dafür braucht, wie Hamburg von Olympia profitieren kann, sollte diese Studie lesen“, sagte Andy Grote. Der Innensenator meint ein jüngst veröffentlichtes Papier des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts. Darin steht, dass jeder Arbeitsplatz im engeren Sportsektor im Durchschnitt 2,3 weitere Stellen etwa in Eventorganisation, Medienproduktion, Tourismus, Einzelhandel oder Gesundheitsdienstleistungen sichere. Deutlich zurückhaltender bewertet Oliver Höltemöller, Professor für Makroökonomie vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle, die Auswirkungen: „Studien zu bisherigen Olympischen Spielen finden in der Regel keine signifikanten positiven gesamtwirtschaftlichen Effekte.“ Der Belebung etwa in der Gastronomie stünden Verdrängungseffekte in anderen Branchen gegenüber.

Schwierig zu beurteilen sind auch die Auswirkungen der Spiele auf den Wohnungsmarkt. Eckart Maudrich, Sprecher der „NOlympia“-Initiative, sieht schon vor Olympischen Spielen negative Effekte. „Wenn wir in so einem Dauerbewerbungsmodus sind, dann werden die Mieten hier gewaltig gestiegen sein.“ Diese Auswirkungen sieht die Olympia-Projektgruppe nicht. Dauerhafte Mietsteigerungen in den Gastgeberstädten seien nicht belegbar. Sie verweist darauf, dass von den 3.800 Wohnungen in der Science City Bahrenfeld, die für das Olympische Dorf genutzt werden sollen, zu 56 Prozent geförderter Wohnraum sind und keine Luxuswohnungen entstehen werden. Nach Einschätzung des Mietervereins wird es mit und ohne Olympiabewerbung Hamburgs in den nächsten Jahren mit den Mieten weiter nach oben gehen. „Zu angespannt ist der Markt, zu wenig bezahlbarer Wohnraum besteht oder wird neu geschaffen. Es ist weder seriös zu behaupten, Olympia hätte keinesfalls Auswirkungen auf die Mietpreise, noch die Auswirkungen seien genau messbar“, sagt Mietervereins-Vorsitzender Rolf Bosse. Vielmehr trage der Senat die Verantwortung, dass der generelle Mietenanstieg gestoppt wird und zusätzliche preistreibende Auswirkungen durch Olympia unterbleiben.

Wie nachhaltig sind die Spiele? Das Internationale Olympische Komitee (IOC) verlangt von den Städten, das Event klimapositiv auszurichten. „Hamburg soll durch Olympia eine grünere Stadt werden“, verspricht der Senat. Die Spiele sollen dazu genutzt werden, die Ziele des Zukunftsentscheids – Klimaneutralität bis 2040 – zu erreichen. Geplante Projekte, etwa zum Ausbau des Nahverkehrs, könnten beschleunigt werden, weil dafür Chancen auf zusätzliches Geld vom Bund bestehe. Die Naturschützer des BUND haben sich indes klar gegen diese Strategie positioniert. Öffentliche Gelder sollten nicht für Olympia, sondern für Klimaanpassung und nachhaltige Mobilität eingesetzt werden. „Wir müssen jetzt investieren, um unsere Stadt fit für die Zukunft zu machen, statt in ein Prestigeprojekt, dessen Nutzen für die Menschen in Hamburg höchst unsicher ist“, sagt Sabine Sommer, Vorsitzende des BUND Hamburg. Bei den Spielen in Paris wurden 1,59 Millionen Tonnen CO2 emittiert – 54,6 Prozent weniger als in London 2012 und Rio de Janeiro 2016. Für die Emissionen des Großevents, die beispielsweise durch die Flugreisen von Olympia-Besuchern, Sportlern und Funktionären zu erwarten sind, müsste Hamburg zur Kompensation wohl CO2-Zertifikate kaufen.

Grüne Investitionen durch die Spiele könnte es laut Senat für den Bau der U5 und S6 geben. „Was glauben Sie, welche Projekte im Bundesverkehrswegeplan nach vorne rücken“, fragte Senator Grote im Hinblick auf die anderen deutschen Bewerberstädte. Bislang ist nicht klar, ob Hamburg für den Bau der S6 Geld vom Bund bekommen würde. Da sie bis zur Science City Bahrenfeld geplant wird, könnte der Senat auf Förderung hoffen. Für 2040 stattfindende Spiele ist das Ziel, rechtzeitig fertig zu werden, ambitioniert. Die S-Bahn soll von der Deutschen Bahn gebaut werden, die zuletzt bei kaum einem Projekt in Hamburg im Zeitplan geblieben ist.

Olympia-Referendum in Hamburg

Versand der Briefwahlunterlagen: 24. April 2026
Ende des Referendums: 31. Mai 2026
Entscheidung des DOSB im nationalen Auswahlprozess: 26. September 2026

Ihre Meinung zählt!

Schicken Sie uns Ihr Feedback zu unseren Artikeln, Themenideen oder Hinweise per E-Mail an briefe@mieterjournal.de – wir freuen uns auf Ihre Ideen und Vorschläge!